Ein Rückblick auf die ISAB-TeSta 2012

ISAB-TeSta 2012:

Diesen Sommer reisten 17 Studierende aus aller Welt in den Norden Deutschlands, um an der internationalen Sommerakademie der Universität Bremen (ISAB) teilzunehmen. Hauptsächlich vertreten war die Volksrepublik China mit insgesamt sieben Studentinnen und zwei Studenten von der Tongji Universität in Shanghai. Dazu kamen zwei Studentinnen von der University of Nairobi in Kenia, zwei aus Russland (Belgorod und St. Petersburg), eine aus Kairo, eine aus Hanoi und zwei Studenten aus Bern. Man könnte vermuten, dass sich die multinationale, -kulturelle und -linguale Gemeinschaft in der heutigen wissenschaftlichen lingua franca, der englischen Sprache, unterhalten hat. Doch alle Teilnehmer waren und sind angehende Germanisten und Germanistinnen und sprechen erstaunlich gut Deutsch. Gestaunt wurde auch, als man in den Diskussionen echte Facts über fremde Kulturen erhielt und einem klar wurde, wie verfälscht und von den medialen Diskursen geprägt unsere kognitiven Repräsentationen von fremden Städten und ihren Einwohnern sind. Thema der Sommerakademie 2012 war nämlich die Textualität der Stadt. Während den zwei Wochen hörten wir Vorträge und sprachen über Großstadtliteratur von der klassischen Moderne über postmoderne Gedichte bis zu heutiger Popmusik, über Stadtdiskurse, und -images und wie sich diese sprachlich konstruieren und kommerziell verkaufen lassen. Es wurde aber nicht nur gesessen, gesprochen und zugehört. Geleitet vom scharfen Blick von Ingo Warnke sind wir auch durch das berühmt berüchtigte Bremer Viertel gezogen und analysierten seine linguistische Landschaft. Die Mehrsprachigkeit von Ladenbeschriftungen (mehr als 15 Sprachen wurden gezählt), Straßen- und Verkehrsschilder, Stickers, Poster, politische Schmierereien an gentrifizierten Wohnblöcken, autorisierte und nicht-autorisierte Graffitis, sogar zum Teil entfernter, gar nicht mehr vorhandener oder negierter Text; nichts entkam den Augen dieser fröhlich-farbigen Analystentruppe. Eine nicht ganz so urbane Erfahrung war der Ausflug nach Cuxhaven an die Nordsee. Statt mit Schuhen auf Beton sind wir dieses Mal barfuß durch das Wattenmeer, oder was bei Ebbe davon übrig blieb, gewatet und haben statt Texte Krebse und Wattwürmer begutachtet.

An den Abenden wurde jeweils noch ein viertes Teilgebiet in den Blick genommen: die Stadt im Film. Mit der Auswahl der Filme in chronologischer Reihenfolge wurden wir vom Dekan des Fachbereichs 10, Herrn Kepser, höchstpersönlich auf unsere finale Exkursion nach Berlin vorbereitet. Filme wie „Berlin Alexanderplatz“, „Hauptmann von Köpenick“, „Berlin – Ecke Schönhauser“, „Himmel über Berlin“ und „Nachgestalten“ zeigten die Entwicklung auf, die Berlin im letzten Jahrhundert

durchlaufen hat und deren Spuren wir auf der Exkursion immer wieder begegnet sind. Bevor aber dieses Highlight noch etwas genauer geschildert wird, zuerst noch ein paar Worte zu der

spärlichen, aber wohlgenutzten Freizeit. Einquartiert waren wir in 4er oder 6er Zimmer der Jugendherberge Bremen, direkt an der Weser und nahe der sogenannten Schlachte, wo es viel Bier und große Brezeln gab. Da die Tage lang und anstrengend waren, wurde am Abend häufig gemütlich Billard oder Uno gespielt, manchmal über politisch heikle Themen diskutiert und selten bis nie wilde Partys gefeiert. Natürlich wurde auch die malerische Innenstadt von Bremen erkundschaftet, der Waterfront-Supermarkt gestürmt oder im Schüttinger das einzig echte Bremer Bier und deftige Curry-Würste degustiert. Die Stadtführung, die wir in der ersten Woche machten und der Besuch im Rathaus waren lustig und interessant, doch hatten wir durch diese, im Vergleich zu einer Millionenstadt wie Shanghai, halt schon den Großteil der Kleinstadt Bremen gesehen. Umso größer war die Vorfreude auf die Exkursion nach Berlin in der zweiten Hälfte der zweiten Woche. Am ersten Tag waren wir auf den Spuren von abwesender Sprache. An Beispielen wie dem Denkmal zur Bücherverbrennung von 1933 von Micha Ullman auf dem Bebelplatz, der entfernten „Hier studierte Lenin“-Platte an der Humboldt-Universität oder dem „Missing House“ des französischen Künstlers Christian Boltanski im Scheunenviertel wurde uns gezeigt, dass auch Abwesenheit von Sprache als Text, nämlich als Erinnerung in den Köpfen und Herzen der Stadteinwohner, funktionieren kann. Die Führung durch die „rote Insel“ von Berlin, auch Schöneberger Insel genannt, mit Hazel Rosenstrauch und ihrem befreundeten Künstler Pedro und der anschließende Schreibstil-Schönheitssalon-Workshop in dessen Atelier waren höchst spannend und eine unvergessliche Erfahrung. Nach einer etwas wilderen Nacht in einer Blues-Bar mit Live-Band besuchten wir am nächsten Morgen den Reichstag. Nachdem wir alle auf Vorstrafen und terroristisches Potential geprüft und geröntgt wurden, erhielten wir Einblick in den Kongress-, den Fraktions-Saal der CDU und CSU, sprachen durch das Mikrophon der Bundeskanzlerin, sahen, wo die Mächtigen und Reichen politisieren, essen und pinkeln und konnten sogar – immer unter Beobachtung der Men in Black – Berlin von der energie-effizienten Kuppel des Architekten Sir Norman Foster aus betrachten. Die ganze Exkursion, wie auch die ganzen zwei Wochen, waren ein voller Erfolg und top organisiert; herzlichsten Dank dem Team der ISAB-TeSta 2012. Am Schluss der zwei Wochen trennte sich die zusammengewachsene Patchwork-Gruppe mit lachenden und weinenden, aber für die linguistische Landschaft geschärften Augen, Erinnerungen aber auch Plänen für die Zukunft.

Denn jeder geht zurück in seine Stadt, den Ort an dem Sinn erzeugt wird, und hat jetzt das Wissen, wie wir Sprache zu dessen Gestaltung anwenden können.

Bryan Vit, 10.9.2012


Bewerbungsende

Liebe Studierende,

herzlichen Dank für Ihre Bewerbungen, die wir aus aller Welt zahlreich erhalten haben. Unsere Auswahlkommission hat inzwischen getagt und Sie erhalten in dieser Woche die Bescheide. Bitte bedenken Sie, sofern Sie ein Stipendium erhalten, bis zum 25. April 2012 Ihre Teilnahme verbindlich zu bestätigen.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Mit freundlichen Grüßen
Ingo H. Warnke & Matthis Kepser


Willkommen zur interdisziplinären Sommerakademie an der Universität Bremen 2012

Liebe Studierende,

als Dekan des Fachbereichs 10 freue ich mich, Ihnen erstmals den Besuch einer Sommerakademie anbieten zu können. Es erwarten Sie hoch interessante Workshops, anregende Exkursionen, das Ambiente einer mittelgroßen Universität auf dem Weg zur Exzellenz und eine der sehenswürdigsten Städte Deutschlands. Lernen Sie andere Studierende aus aller Welt kennen. Diskutieren Sie mit ihnen und unseren hochkarätigen Dozenten. Verbessern Sie Ihre Fähigkeiten im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache. Werden Sie mit der deutschen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart vertrauter.

Es freut sich auf Ihr Kommen

Prof. Dr. Matthis Kepser
- Dekan -


Liebe Studierende,

wir laden Sie nach Bremen ein, um mit uns über das Thema Stadt und Text zu diskutieren, um Neues über Städte zu lernen, und um den Blick für urbane Entwicklungen zu schärfen.

Unsere Sommerschule hat einen germanistischen Fokus, sie ist aber geöffnet für alle angrenzenden geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer.

Schauen Sie sich unsere Homepage an und schreiben Sie uns, wenn Sie Fragen haben. Wir werden in den nächsten Wochen an dieser Stelle auf Neuigkeiten hinweisen und Sie über aktuellen Fragen zur Sommerakademie auf dem Laufenden halten.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Prof. Dr. Ingo H. Warnke
Interdisziplinäre Linguistik, Universität Bremen